PDF/UA (Universal Accessibility) ist der internationale Standard für barrierefreie PDF-Dokumente nach ISO 14289-1. Mit Output.Rocks können Sie PDFs rendern, die assistive Technologien von modernen Viewern wie Screenreader optimal unterstützen.

Viewer und Screenreader: Programme wie Adobe Acrobat Reader, Browser-PDF-Viewer oder spezialisierte Accessibility-Tools zeigen und interpretieren PDFs. Moderne Viewer nutzen semantische Informationen für Navigation, Zoom und Screenreader-Unterstützung.

Screenreader, wie NVDA, JAWS oder VoiceOver, wandeln Bildschirminhalte in Sprache oder Braille um und nutzen die semantische Struktur von PDFs, um Inhalte logisch zu navigieren und vorzulesen.

Workflow auf einen Blick

1. Vorlage aufbereiten
Sprache/Titel setzen • Überschriften/Listen korrekt • Tabellen‑Header/Scope • Alt‑Text/Links

2. Rendern
mit dem or Objekt-Parameter: "pdfUniversalAccessibility" : true

3. Validieren
Innerhalb von Word über ToolsBarrierefreiheit prüfen / PDFix Online Validator ↗ / PAVE ↗ • PAC (PDF Accessibility Checker) / Acrobat Preflight

4. Iterieren
Template anpassen • erneut prüfen bis PDF/UA erfüllt

Ein vollständig PDF/UA-konformes Dokument erfordert meist 2-3 Iterationen zwischen Template-Anpassung und Validierung.

Warum PDF/UA für Ihre Kunden wichtig ist

Für Privatkunden

  • Sehbeeinträchtigte Personen können Rechnungen, Verträge und Korrespondenz mit Screenreadern vollständig erfassen
  • Motorisch eingeschränkte Nutzer navigieren einfacher durch strukturierte Dokumente mit Tastatur-Navigation
  • Ältere Kunden profitieren von klarer Struktur und besserer Lesbarkeit in digitalen Viewern
  • Mobile Nutzer erleben optimierte Darstellung auf kleinen Bildschirmen durch semantische Struktur

Für Geschäftsdokumente

  • Compliance: Erfüllung gesetzlicher Anforderungen (z.B. BITV 2.0, EU-Richtlinie 2016/2102)
  • Professionalität: Zeigt Verantwortung und Inklusivität als Unternehmensstandard
  • Effizienz: Strukturierte PDFs sind maschinenlesbar und ermöglichen automatisierte Verarbeitung
  • Zukunftssicherheit: Vorbereitung auf kommende Accessibility-Gesetze und -Standards

Beispiele aus der Praxis:

  • Ein sehbeeinträchtigter, älterer Kunde kann mit PDF/UA-konformen Stromrechnungen auf einem Tablet oder PC mit assistiven Technologien oder Viewer-Apps eigenständig Verbrauchsdaten prüfen, Zahlungsfristen erkennen und Dokumente archivieren – ohne auf Hilfe angewiesen zu sein.

  • Ein Sachbearbeiter kann die in PDF/UA-konformen Abrechnungen aufgeführten Daten mit einer PDF-Viewer-App in Excel oder Google Sheets importieren und weiterverarbeiten. Mit Hilfe von KI-Tools kann er die Daten sogar direkt auslesen lassen und in bestehende Systeme mappen.

PDF/UA erfordert sowohl die richtige Rendering-Konfiguration als auch eine strukturell saubere Template-Vorlage. Beides ist notwendig für vollständige Barrierefreiheit.

Überblick der Möglichkeiten

Um komplett PDF/UA-konforme PDFs zu erreichen bedarf es unterschiedlicher Schritte, die in automatisierbar und manuell unterteilt werden.

Was Output.Rocks automatisiert

  • XMP-Metadaten-Stream: Strukturierte Dokument-Metadaten für bessere Auffindbarkeit
  • Tagged PDF-Struktur: Semantische Struktur (/StructTreeRoot, /RoleMap, /MarkInfo)
  • Viewer-Präferenzen: Anzeige des Dokumenttitels (ViewerPreferences/DisplayDocTitle)
  • Sprach-Unterstützung: Übernahme der Dokumentsprache aus der Vorlage, zBsp. um Texte korrekt ausgesprochen vorgelesen zu bekommen

Tagged PDF-Struktur: Ein "Tagged PDF" enthält unsichtbare Strukturinformationen, die dem PDF semantische Bedeutung verleihen. Screenreader können dadurch Überschriften, Absätze, Listen und Tabellen korrekt identifizieren und vorlesen.

Semantische Struktur: Bedeutet, dass Inhalte nicht nur visuell, sondern auch logisch strukturiert sind. Eine Überschrift ist nicht nur "großer, fetter Text", sondern wird als "Überschrift Ebene 1" markiert, sodass assistive Technologien sie als Navigation nutzen können.

Was manuell in der Vorlage angelegt werden muss

  • Alternative Texte (Alt-Texte) für Bilder und Grafiken, die von Screenreadern vorgelesen werden
  • Korrekte Tabellen-Header mit Scope-Definition, damit Screenreader die Daten korrekt verstehen
  • Semantische Überschriften-Hierarchie (H1→H2→H3), die eingehalten werden muss
  • Echte Hyperlinks mit aussagekräftigem Textinhalt
  • Listen mit integrierten Formatvorlagen
  • Korrekte Dokumentsprache und -titel

Weiter unten werden diese Punkte für Ihre Vorlagen im Detail erläutert.

UA Validierungsmöglichkeiten

Prüfen Sie Ihre generierten PDFs mit professionellen Validatoren, etwa:

  • Vor dem Rendern im Vorlagen-Editor: Word-integrierte Prüfung:

    • ÜberprüfenBarrierefreiheit prüfen (Word 2016/2019)
    • ToolsBarrierefreiheit prüfen (Word 356)
  • Web-basierte Validatoren:

  • Desktop-Tools:

    • PAC 2024 – Professioneller PDF Accessibility Checker (kostenlos)
    • Adobe Acrobat Pro – Preflight Check als kostenpflichtiges Feature mit PDF/UA-Profilen

PDF/UA Aktivierung

Parameter setzen

Um PDF/UA beim Rendering zu aktivieren, muss Ihr Payload das or-Objekt enthalten und dort den Parameter pdfUniversalAccessibility auf true setzen.

{
  "data": {
    "irgendwelche": {
      "andere": "foo",
      "daten": "bar"
    }
  },
  "or": {
    "pdfUniversalAccessibility": true
  }
}

Erläuterung XMP-Metadaten-Stream

XMP-Metadaten-Stream: Ein standardisiertes Format für Dokumentmetadaten (Extensible Metadata Platform). Speichert Informationen wie Titel, Autor, Erstellungsdatum und Sprache in maschinenlesbarer Form. PDF/UA-Validatoren erwarten diese Metadaten für vollständige Konformität.

Der Parameter pdfUniversalAccessibility: true aktiviert einen strukturierten XMP-Metadaten-Stream im PDF-Katalog:

Ohne Parameter
Metadata Stream: no
Tagged: yes
XMP-Katalog: nicht vorhanden
Mit Parameter
Metadata Stream: yes
Tagged: yes
XMP-Katalog: dc:title, dc:creator, xmp:CreateDate

Die grundlegende Tagged-PDF-Struktur (/StructTreeRoot, /RoleMap) wird in auch ohne gesetzten pdfUniversalAccessibility-Parameter von Output.Rocks erzeugt.

Der Parameter aktiviert primär die erweiterten Metadaten für bessere Validator-Kompatibilität.

Manuelle Konfiguration in Vorlagen

Die folgenden Schritte müssen in Ihrer .docx-Vorlage manuell durchgeführt werden, da sie nicht automatisch vom Rendering-Parameter abgedeckt werden:

Formatierungszeichen einblenden (Strg+Shift+8) hilft beim Überprüfen der Dokumentstruktur und zeigt versteckte Leerzeichen oder -zeilen an, die die Barrierefreiheit beeinträchtigen können.

Dokumentsprache und -titel setzen

Legt die globale Sprache für korrekte Aussprache fest und einen stabilen Dokumenttitel, der in PDF‑Metadaten und Viewern angezeigt wird.

In Microsoft Word:

  1. DateiInformationenEigenschaftenErweiterte Eigenschaften
  2. Titel eingeben (z. B. "Kundenabrechnung")
  3. ÜberprüfenSpracheSprache für Korrekturhilfen festlegen
  4. Deutsch (Deutschland) auswählen und Als Standard festlegen

Die Dokumentsprache wird als /Lang (de-DE) in das PDF übernommen und ist sowohl für Sprach-Unterstützung als auch für PDF/UA-Konformität erforderlich.

Der Dokumenttitel aus den DOCX-Eigenschaften wird beim PDF-Export in die PDF-Info/XMP-Metadaten übernommen und in Viewern (bei aktivem DisplayDocTitle) angezeigt. Er sollte stabil und allgemein gültig sein.

Dynamische Inhalte wie Zeiträume (z. B. „Januar 2024“) bitte nicht im Dokumenttitel verwenden – solche Angaben gehören in Überschriften/Fließtext in der Vorlage. Ein dynamischer Dokumenttitel ist über den Rendern-Request nicht vorgesehen.

Überschriften-Hierarchie anlegen

Erzeugt eine semantische Gliederung (H1/H2/H3), damit Screenreader Kapitel erkennen und direkt anspringen können.

Korrekte Struktur ohne Sprünge:

  1. StartFormatvorlagenÜberschrift 1 für Hauptüberschriften
  2. Überschrift 2 für Unterkapitel, Überschrift 3 für weitere Unterpunkte
  3. Niemals Überschrift-Ebenen überspringen (H1 → H3 ohne H2 ist fehlerhaft)

Manuelle Formatierung (Fettdruck, Schriftgröße) erzeugt keine semantischen Überschriften!

Verwenden Sie ausschließlich die integrierten Formatvorlagen, die Sie ganz nach Belieben visualisieren können. Das erleichtert auch die einheitliche Formatierung Ihrer Vorlagen.

Listen richtig erstellen

Erzeugt eine semantische Listenstruktur (List/LI/Lbl/LBody), damit Screenreader Listenelemente korrekt ankündigen und zählen.

Für nummerierte Listen:

  • Erste Zeile der Liste anklicken → StartNummerierung → Gewünschtes Format auswählen

Niemals manuell "1.", "2.", "3." eingeben – verwenden Sie die integrierte Nummerierung.

Für Aufzählungen:

  • Erste Zeile der Liste anklicken → StartAufzählungszeichen → Gewünschtes Format auswählen

Niemals manuell "•", "-", "*" eingeben – verwenden Sie die integrierten Aufzählungszeichen.

Listenanstrich-Bedeutung: Der sichtbare Listenanstrich sollte keine inhaltliche Bedeutung haben. Zusätzliche Informationen (z.B. Plus/Minus für Positiv/Negativ) müssen aus dem Text hervorgehen, nicht aus dem Symbol.

Tabellen barrierefrei gestalten

Markiert Kopfzeilen mit Scope, damit Screenreader zu jeder Datenzelle die passenden Spalten- oder Zeilenüberschriften vorlesen.

Kopfzeilen (Header) definieren:

Tabellen-Header (TH/Scope): Definiert, welche Zellen als Kopfzeilen fungieren und welchen Bereich sie beschreiben (Spalte oder Zeile). Screenreader lesen bei jeder Datenzelle die zugehörigen Header vor. Beispiel: "Kunde: Max Mustermann, Betrag: 156,78 Euro".

Header-Benennung für Label-Wert-Paare: Bei Tabellen mit Bezeichnungen und Werten (z.B. Vertragsdaten) verwenden Sie kundenfreundliche Header:

  • Spalte 1: "Bezeichnung" (für Labels wie "Vertragskonto", "Zählernummer")
  • Spalte 2: "Wert" oder "Angabe" (für die entsprechenden Daten)

Beispiel: Screenreader liest "Bezeichnung: Vertragskonto, Wert: 123456789" - das ist für Kunden verständlich und nicht zu technisch.

  1. Word 356: Tabelle markieren → Table Design-Banderole Word 2016/2019: Tabelle markieren → TabellentoolsEntwurf (Windows) / Table Design (macOS)
  2. Kopfzeile aktivieren (Häkchen setzen)
  3. Erste Zeile als Kopfzeile anklicken und formatieren
  4. Word 2016/2019:LayoutEigenschaftenZeileKopfzeile auf jeder Seite wiederholen Word 356: TabelleneigenschaftenZeilenKopfzeile auf jeder Seite wiederholen

Gliederungsansicht prüfen: Verwenden Sie AnsichtGliederung um die korrekte Tabellenstruktur und Überschriften-Hierarchie zu überprüfen.

Zu vermeiden:

  • Zusammengeführte Zellen (→ Zellen verbinden)
  • Aufgeteilte Zellen (→ Zellen teilen)
  • Komplexe, verschachtelte Tabellen

Alt-Texte für Bilder hinzufügen

Beschreibt nicht-textuelle Inhalte, damit Screenreader die Aussage der Grafik vermitteln können; dekorative Elemente werden übersprungen.

Alt-Text (Alternativer Text): Eine Textbeschreibung für Bilder, die von Screenreadern vorgelesen wird. Ermöglicht sehbeeinträchtigten Personen, den Inhalt von Grafiken zu verstehen. Beispiel: "Balkendiagramm zeigt Stromverbrauch von Januar bis März 2024".

Für inhaltliche Bilder:

  1. Bild rechtsklicken → Grafik formatieren
  2. Layout und EigenschaftenAlternativtext
  3. Beschreibung eingeben (z. B. "Diagramm zeigt Stromverbrauch nach Monaten")
  4. Titel optional ergänzen

Für dekorative Elemente:

  1. Gleicher Weg wie oben
  2. Beschreibung leer lassen oder "Dekoratives Element" eingeben
  3. Als dekorativ markieren (falls verfügbar)

Dekorative Elemente: Bilder, die nur zur visuellen Verschönerung dienen und keine inhaltliche Information vermitteln (z.B. Logos, Trennlinien, Hintergrundgrafiken). Diese sollten keinen Alt-Text haben, damit Screenreader sie überspringen.

Screenreader überspringen Bilder ohne oder mit leerem Alt-Text. Stellen Sie sicher, dass inhaltlich relevante Bilder beschrieben werden.

Verwendet aussagekräftige Linktexte, damit Screenreader Ziel und Zweck eines Links verständlich ankündigen.

Aussagekräftige Linktexte verwenden:

Ein sprechender Link ist ein Hyperlink, dessen Text den Zweck oder das Ziel des Links klar beschreibt. Dies ist besonders wichtig für Screenreader-Nutzer, da sie den Linktext hören und so den Kontext und die Relevanz des Links besser verstehen können.

Beispiel für sprechende Links:

  • Richtig: "Laden Sie hier die unsere Nutzungsbedingungen (PDF) herunter"
    –> Der Linktext beschreibt klar Aktion und Format des Links, und dass es sich um die interne Nutzungsbedingungen handelt.
  • Falsch: "Klicken Sie hier für die Nutzungsbedingungen"
    –> Der Linktext "hier" ist nicht aussagekräftig und gibt keinen Hinweis auf Ziel oder Format des Links.

In Word einfügen:

  1. Text markieren → EinfügenLink (oder Strg+K)
  2. URL eingeben
  3. Anzuzeigender Text sollte aussagekräftig sein
  4. ScreenTip für zusätzlichen Kontext setzen

ScreenTip-Text hinzufügen:

Ein ScreenTip ist ein Tooltip-Text, der angezeigt wird, wenn Benutzer mit der Maus über einen Hyperlink fahren. Dieser Text wird von Screenreadern vorgelesen und verbessert die Barrierefreiheit.

ScreenTip in Word einrichten:

  1. Hyperlink erstellen oder bearbeiten: Rechtsklick auf den Link → "Hyperlink bearbeiten"
  2. ScreenTip-Text hinzufügen: Im Hyperlink-Dialog auf "ScreenTip..." klicken
  3. Gewünschten Text eingeben (z.B. "Klicken Sie hier für detaillierte Anleitungen zur PDF/UA-Konformität")
  4. "OK" klicken

ScreenTip-Best Practices:

  • Aussagekräftige Beschreibungen: "Allgemeine Geschäftsbedingungen als PDF-Dokument herunterladen"
  • Keine redundanten Informationen: Link "AGB" + ScreenTip "Allgemeine Geschäftsbedingungen anzeigen" (nicht "AGB")
  • Kurze, präzise Texte: Maximal 1-2 Sätze mit klarer Handlungsaufforderung

PDF/UA-Status von ScreenTips: ScreenTips sind nicht PDF/UA-Pflicht, aber stark empfohlen für bessere Barrierefreiheit. Sie verbessern die WCAG 2.1 Level AA/AAA Konformität und die Benutzerfreundlichkeit für alle Nutzer.

Aktive Links testen: Verwenden Sie Strg+Klick um Links direkt in Word zu testen, bevor Sie das PDF erstellen.

Lese-Reihenfolge optimieren

Sichert eine lineare, logische Reihenfolge der Inhalte, damit Screenreader Text in sinnvoller Abfolge vorlesen.

Strukturelle Grundsätze:

  • Inhalte in logischer Reihenfolge anordnen
  • Komplexe Layouts mit Textfeldern/Spalten vermeiden
  • Bei mehrspaltigem Text: LayoutSpalten verwenden (nicht manuelle Textfelder)
  • Textfeld-Anker korrekt positionieren für logische Lesereihenfolge
  • Bilder: Zeilenumbruch "Mit Text in Zeile" für bessere Struktur

Wichtige Inhalte nicht in Kopf-/Fußzeilen platzieren – diese werden nicht semantisch ausgezeichnet und sind für Screenreader schwer zugänglich.

Typischer Fehler:

  • Bankverbindungen im Footer
  • Support-Telefonnummern im Footer

Häufige Stolpersteine und Lösungen

Bei der PDF/UA-Validierung treten häufig ähnliche Probleme auf. Hier finden Sie die häufigsten Stolpersteine und deren Lösungen:

Alt-Text-Probleme

Problem: Validatoren melden "Figure structure element neither has an alternate description nor a replacement text"

Lösung: Alle Bilder müssen entweder einen Alt-Text haben oder explizit als dekorativ markiert werden.

Word-Barrierefreiheitsprüfung: ÜberprüfenBarrierefreiheit prüfen erkennt fehlende Alt-Texte automatisch
RoleMap "Circular Mapping"

Problem: PDF-Validatoren melden zirkuläre Mappings im RoleMap (z. B. H1→H1, Span→Span).

Hintergrund: PDF/UA verlangt, dass nur benutzerdefinierte Rollen auf Standardrollen gemappt werden. Standard→Standard-Mappings sind problematisch, da sie redundante Informationen erzeugen und die semantische Struktur verwirren. Screenreader können dadurch verwirrt werden, wenn ein H1-Tag auf sich selbst gemappt wird, anstatt eine klare Hierarchie zu definieren.

Lösung: Word-Formatvorlagen korrekt konfigurieren:

Standard-Formatvorlagen verwenden: Nutzen Sie ausschließlich die integrierten Word-Formatvorlagen (Überschrift 1, Standard, etc.)
Benutzerdefinierte Formatvorlagen vermeiden: Erstellen Sie keine eigenen Formatvorlagen mit Namen wie "Titel1", "Absatz1" oder "Liste1"
Formatvorlagen-Name prüfen: Rechtsklick auf Text → Formatvorlage → Name sollte Standard-Word-Format sein
Formatvorlagen-Manager: StartFormatvorlagenFormatvorlagen verwalten → Nur Standard-Formatvorlagen verwenden
Bei bestehenden Custom-Formatvorlagen: Text markieren → FormatvorlageStandard oder Überschrift 1 zuweisen
Tabellen ohne Header-Scope

Problem: Tabellen werden als nicht barrierefrei erkannt, obwohl sie Kopfzeilen haben.

Hintergrund: PDF/UA erfordert, dass Tabellen-Header explizit als solche gekennzeichnet sind, damit Screenreader die Beziehung zwischen Kopfzeilen und Datenzellen verstehen können. Ohne korrekte Header-Scope-Definition können assistive Technologien nicht erkennen, welche Zellen zu welchen Spalten oder Zeilen gehören.

Lösung: Korrekte Tabellen-Struktur in Word einrichten:

Kopfzeile aktivieren: Tabelle markieren → TabellentoolsEntwurfKopfzeile (Häkchen setzen)
Erste Zeile formatieren: Erste Zeile markieren → TabellentoolsLayoutEigenschaftenZeileKopfzeile auf jeder Seite wiederholen aktivieren
Tabellen-Struktur prüfen: Keine zusammengeführten oder aufgeteilten Zellen verwenden
Scope-Definition: Word setzt automatisch scope="col" für Spalten-Header und scope="row" für Zeilen-Header
Nicht markierte Links in Kopf-/Fußzeilen

Problem: UA-Validierung meldet „Annotation is not marked. Type: Link“ für Hyperlinks, die in Kopf- oder Fußzeilen stehen.

Hintergrund (Word): Kopf-/Fußzeilen-Inhalte werden beim Export häufig als Artefakte außerhalb des Strukturbaums getaggt. Hyperlinks dort werden zwar als PDF-Annotation (/Annot) erzeugt, aber nicht mit einem strukturellen Link-Tag verbunden – der Validator bemängelt den fehlenden Markup-Bezug.

Vermeidung (nur in Word):
Keine funktionalen Links in Header/Footer: URLs, mailto-Links, Web-Adressen nicht in Kopf-/Fußzeilen setzen.
Klickbare Links im Body wiederholen: Den eigentlichen, klickbaren Link im Dokument-Body unterbringen (z. B. im Kontakt-/Impressumsabschnitt).
Header/Footer als reinen Text belassen: In Kopf-/Fußzeilen nur nicht-klickbare Darstellungen (Text) verwenden.

Typische Fehlerquelle: Support-Links oder AGB-URLs im Footer als klickbare Links. Diese immer im Body wiederholen und den Footer-Text unklickbar lassen.

Sprach-Inkonsistenzen

Problem: Validator meldet fehlende oder inkonsistente Spracheinstellungen.

Hintergrund: Die korrekte Sprachkennzeichnung ist essentiell für Screenreader, da diese die Aussprache und Betonung von Wörtern entsprechend der Sprache anpassen müssen. Ohne Sprachinformation können englische Begriffe in deutschen Texten falsch ausgesprochen werden, was die Verständlichkeit erheblich beeinträchtigt.

Lösung:
Globale Dokumentsprache setzen: ÜberprüfenSpracheSprache für Korrekturhilfen festlegenDeutsch (Deutschland) auswählen und Als Standard festlegen
Partielle Sprachänderungen vermeiden: Keine manuellen Sprachänderungen für einzelne Wörter oder Sätze vornehmen
Bei mehrsprachigen Dokumenten: Separate Abschnitte mit Formatvorlagen erstellen und diese einzeln mit Sprache versehen
Sprachkonflikte prüfen: ÜberprüfenSpracheSprache anzeigen um inkonsistente Einstellungen zu identifizieren
Figure in P – falsch verschachtelte Abbildung

Problem: PDF/UA-Validator meldet „Structure element is incorrectly nested: Figure in P".

Hintergrund (Word): Inline-Bilder werden beim PDF-Export teils als Figure innerhalb eines Absatz-Elements (P) getaggt. PDF/UA erwartet Figure als eigenständiges Block-Element (Geschwister von P), nicht als dessen Kind.

Lösung (nur in Word):
Eigenen Absatz für das Bild: Vor und nach dem Bild eine Absatzmarke einfügen; im Bild-Absatz dürfen keine weiteren Zeichen stehen (auch keine Leerzeichen).
Textumbruch auf Block-Niveau: Bild markieren → Bildformat/Layout → Umbruch Quadrat oder Oben und unten. Alternativ „Mit Text in Zeile", dann strikt eigener Absatz ohne weiteren Text.
Keine Misch-Inhalte: Kein Fließtext in derselben Absatzzeile wie das Bild platzieren.
Vor dem Export prüfen: Word 2016/2019: ÜberprüfenBarrierefreiheit prüfen; Word 365: ToolsBarrierefreiheit prüfen.
Shapes/Textfelder als Figure – "div in figure" Problem

Problem: Seitenleisten oder Info-Boxen, die als Word-Shapes oder Textfelder erstellt wurden, werden als Figure/Grafik behandelt. PDF/UA-Validatoren melden "div in figure" - der Textinhalt wird nicht als lesbarer Content erkannt.

Hintergrund: Sowohl Word-Shapes als auch Textfelder werden standardmäßig als Figure-Elemente exportiert. PDF/UA erwartet Figure-Elemente nur für echte Grafiken, nicht für Textcontainer. Der Textinhalt geht für assistive Technologien verloren, da er als "div in figure" (ungültige Verschachtelung) behandelt wird.

Lösung:
Tabellen für Layout verwenden statt Shapes/Textfelder
Strukturierter Haupttext bevorzugen: Wichtige Inhalte direkt im Hauptdokument mit Formatvorlagen platzieren
Spalten-Layout vermeiden: Word-Spalten können die Lesereihenfolge für Screenreader erschweren → strukturierten Haupttext bevorzugen
Dekorative Elemente: Shapes nur für rein visuelle Elemente → als dekorativ markieren oder Alt-Text hinzufügen
Inhaltssteuerelemente (erweitert): EntwicklertoolsRich Text Content Control für interaktive Elemente (erfordert Aktivierung der Entwicklertools)

Wichtiger Hinweis zu 'Textfeldern': Textfelder lösen das Problem NICHT - sie werden ebenfalls als Figure behandelt und verursachen "div in figure"-Fehler. Für PDF/UA-konforme Seitenleisten sind Tabellen oder strukturierter Haupttext die besseren Alternativen.

Beispiel-Vorlage

Eine vollständige PDF/UA-konforme Vorlage zum Herunterladen und Testen:

Barrierefreie Rechnungs-Vorlage

Vorlage enthält:

  • Korrekte Überschriften-Hierarchie (H1 → H2 → H3)
  • Verzichtet auf unnötige Tabellen und Spalten-Layouts
  • nötige Tabellen enthalten Header-Scope-Definition
  • Alt-Texte für Bilder, rein 'dekorative' als solche gekennzeichnet
  • Aussagekräftige Hyperlinks im Dokument-Body
  • Einen peripheren Header, von Readern zum Großteil ignoriert,
  • Eine 'Anschreiben Kopf'-Formatvorlage/Style zum Unterbringen von Druck-Spalten
  • Deutsche Dokumentsprache (de-DE)
  • Logische Lesereihenfolge

Dokument-Eigenschaften:

  • Dokumenttitel: "Universal Accessibility Testdokument" (in Eigenschaften)
  • Sprache: "de-DE" als Meta-Eintrag